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Pulverschnee und Gipfelwind

veröffentlicht um 20.12.2015, 05:25 von Jürgen Zill


Wo,wie, was? Hatte ich dieses Wetter gestern an der Kleinen Liebe verpasst?

Eher nicht. Bei frühlingshaftem Wetter zog es uns hinaus, in unsere geliebte Bergwelt. Zum besinnlichen Abschied am Feuer mit Bergkameraden, Freunden,  Familie, Gesang und dem warmen Glühwein.

Mit Freude sah ich eine große Menschenmasse in weiter Runde. Die vermutlich genau so dachten wie ich. Die sich um den großen Holzstapel einreihen, reden,  lachen und warten.

Als die Bergfinken das erste Lied anstimmen ist Ruhe in der Runde.

Viele wollen Lieder über unsere Liebe zu den Bergen, zu unserem Heimattal, wenn möglich mit Pulverschnee und Gipfelwind, und über „a Lichterbugn am Himmel“, hören.

Etwas andere, nachdenklichere Gedanken konnten sie in Gockel´s Ansprache hören.

Er erinnerte an Flucht, Verzweiflung, Optimismus und Entscheidung vor über 25 Jahren in der ehemaligen DDR.

Ein Thema, das heute wieder in aller Munde ist und stark diskutiert wird.

Und das an keinem Menschen vorbei geht ohne ihn nicht zu bewegen und zu berühren.

Flamme empor. Nach diesem Lied schoss sie hoch. Die kraftvolle, Licht und Wärme spendende Flamme, die uns noch eine längere Zeit zum Verweilen einlud.

Eine schöne, ruhige und besinnliche Weihnacht wünscht

 Claus-Peter Diener



Für Bergfreunde, die nicht auf der Kleinen Liebe dabei sein konnten oder rein akustisch nicht alles verstehen konnten, hier nochmal die Ansprache zur Sonnenwende zum Nachlesen:

Ansprache zur Wintersonnenwende

Der große Holzstapel wurde im November von mehr als 50 fleißigen Händen

aufgeschichtet, der Glühwein dampft bei Frühlingstemperaturen in den Kesseln unserer Freunde vom  Postsportverein und die Bergfinken haben unter der bewährten Fuchtel

unseres Uli Schlögel die musikalischen Einleitung übernommen.

Herzlich Willkommen zur Wintersonnenwende 2015 an der Kleinen Liebe.

Hier fühlen wir uns nach all den Jahren ja fast schon wie zu Hause, und an

Tagen wie heute kommen wir an diesem Ort auch zur Ruhe und können uns

Zeit zum Nachdenken nehmen.

Auch unser Dachverband, der Sächsische Bergsteigerbund, hat Anfang des

Jahres ein neues Haus bezogen. Wir Bergfinken proben jetzt jeden Donnerstag

im 2. Stock dieses schönen Hauses und du hast uns gerade noch gefehlt, bei unserer Probe.

Der Kraftakt zum Bau des Hauses war nur mit der Unterstützung vieler Menschen möglich,

so verschieden die Charaktere auch sein mögen.  Die Herausforderungen jedoch,

die vor uns allen liegen, schätze ich als wesentlich intensiver ein.

Meine Gedanken möchte ich mit einem Bergerlebnis beginnen, welches mich an

einem Sonntag im Spätsommer mit meiner Tochter und ihrer Freundin

ins Schmilkaer Gebiet führte. Unser Ziel war die Fluchtwand. Eine zwar lange,

aber nicht sehr schwierige Tour fand uns gegen Mittag auf dem sonnenüberfluteten

Gipfel, und natürlich war das Ziel auch nicht zufällig, sondern mit Bedacht ausgewählt.

Wie fühlt es sich an, auf der Flucht zu sein? Wie viel Verzweiflung war nötig,

um diesen Schritt zu gehen und welch einen Optimismus braucht ein Mensch auf der Flucht?

Mein Blick ging zurück in die letzten Jahren der verflossenen DDR, als meine

Generation groß wurde. Gefühlt jeder zweite meiner Kletterkumpels hatte einen

Ausreiseantrag und wohl fast jeder hat damals ähnlich wie ich abgewogen,

welcher Weg für sich selbst der richtige sein mag. Die Entscheidung zum Bleiben oder

zum Gehen spielt heute eine untergeordnete Rolle, haben doch alle gemeinsam zur

Veränderung der Lebensumstände beigetragen. Wir alle haben neue Berge und damit auch fremde Länder und neue Kulturen kennen gelernt Wir haben dort fernab von Bloßstock und Falkenstein gelernt, wie in einem Kletterweg zuhause mit Ängsten jenseits der Berge umzugehen. Meist haben uns mehr Dinge vereint als getrennt. War es damals eine Flucht vor der Gesellschaft, ist es heute doch oft ein Zurückziehen ins Individuum. Im Weltbürger steckt aber auch stets ein Kleingeist. Ähnlich wie in vielen anderen Gemeinschaften gibt es auch bei uns Bergfinken eine sehr offene und faire Diskussion, bei der es wahrlich mehr als eine Meinung gibt. Gefahr oder Chance, diese Frage steht oft im Mittelpunkt der Gespräche.

Bildet euch eure eigene Meinung, befragt euer Herz und denkt losgelöst von Gerüchten und Halbwahrheiten auch dann weiter, wenn es unangenehm wird. Nahezu alle Menschen, die unser Land erreicht haben, wollen friedlich in unserer Mitte leben. Diese Menschen müssen uns ebenso verstehen und Fragen nach unserem Leben stellen. Wer weiß, wo er herkommt, hat es leichter zu wissen, wo er hin will. Manch einem mögen diese Worte für eine Veranstaltung des SBB nicht angemessen erscheinen, aber meiner Meinung nach ist das höchste Gut unseres Daseins die Menschenwürde und die gegenseitige Achtung.

Eine kleine Geschichte möchte ich euch noch mit auf den Weg geben. Ein alter Indianer möchte seiner Enkelin etwas über sein Leben erzählen. Er spricht über zwei Wölfe, die im Inneren miteinander ringen. Der eine ist Hass, Misstrauen, Feindschaft, Angst und Krieg.

Der andere ist Liebe, Vertrauen, Freundschaft, Hoffnung und Friede. Das Mädchen schaut ins Feuer und fragt ihn, welcher Wolf gewinnt. Der alte Indianer schweigt und sagt nach einer ganzen Weile: Der, den du fütterst!

Berg Heil und Flamme empor!


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