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Sächsischer Bergsteigerbund Wintersonnenwende 16.12.2017 "KleinenLiebe"

veröffentlicht um 17.12.2017, 05:53 von Jürgen Zill   [ aktualisiert: 20.01.2018, 15:18 ]
Traditionell gibt es zur Wintersonnenwende unter dem Dach des SBB eine kleine Ansprache.
Nach den stimmungsvollen Liedern der Bergfinken und vor dem Anzünden des Sonnwendfeuers hielt diesmal der Vorstand der "Bergfinken" Stefan Jacob nachfolgende Rede:

Liebe Bergfreunde,

ich begrüße Euch alle hier zur Wintersonnwendfeier des Sächsischen Bergsteigerbundes auf der Kleinen Liebe!

Unser Gockel, der hier in den letzten Jahren die Feuerrede hielt, kann diesmal nicht. Also wer soll die Feuerrede halten? Vor Jahren mussten wir immer jemanden finden, der laut reden kann, jetzt haben wir Technik. Dann stellen sich die nächsten Fragen: Über was sollte man hier reden und worüber vielleicht nicht. Es soll ein Thema sein, was hier zum Anlass und zum Feuer passt, ein nachdenklicher Rückblick, eine freudige Vorausschau auf das neue Jahr.

Meine Bergfreunde rieten mir: Erzähl doch einfach mal was über die Geschichte dieser Wintersonnenwende. Also das war so:

Veranstalter damals war der DWBO, Stadtfachausschuss Dresden, die Fachkommission Bergsteigen. Die erste Wintersonnenwendfeier fand am 16.12.1972, also auf den Tag genau heute vor 45 Jahren am Kuhstall statt. Der Getränkeverkauf erfolgte durch die Wirtsleute vom „Kuhstall“.

Ab 1974 wurde die Wintersonnenwende regelmäßig am letzten oder vorletzten Sonnabend vor Weihnachten gefeiert; bis 1983 auf der Wildwiese am Königsplatz. Danach wurde der Standort „Wildwiese“ vom Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb aus Naturschutzgründen nicht mehr genehmigt, 1984 wurde die Feier aus ebendiesen Gründen ganz verboten. Ab 1985 wurde der ehemalige Zeltplatz „Kleine Liebe“ für die Feiern genehmigt, wo diese auch heute noch stattfinden. Eine Unterbrechung gab es 1990, weil einerseits der DWBO nicht mehr existierte und andererseits kein Amt für die Genehmigung zuständig war. 1991 entschlossen wir uns mit einer Hand voll Bergfreunden, die Organisation der Feier unter dem Dach des Sächs. Bergsteigerbundes weiterzuführen und so ist es bis heute.

Der Holzstoß wird immer am Sonnabend vor dem Totensonntag errichtet. Konnte anfangs noch Holz aus den jeweils umliegenden Wäldern geholt werden, musste später stärkere Transporttechnik ran, zunächst PKW-Anhänger, dann Transporter und seit 10 nutzen wir einen 18-Tonner, um geeignetes Holz heranzufahren.

Die musikalische Umrahmung übernahmen immer die „Bergfinken Dresden“, bis heute flankiert von einigen Kindergenerationen, die mit Fackeln für romantische Beleuchtung sorgten. Was wäre auch so eine Feier ohne Gesang? Den Bergfinken ist es Verpflichtung wie Ehre, hier zu singen.

Legendär zu DDR-Zeiten waren die tiefsinnigen, oft zweideutigen Feuerreden von Hans-Joachim Paech. Viele kamen ausschließlich, um zwischen den Zeilen zu hören. Nach der Wende mussten neue Themen her. Mit Humor gelang dies vor allem dem Rohnspitzler und Bergfink „Schumm“. Auch verschiedene Ehrenvorsitzende und Vorstände des SBB sprachen hier, so Willy Ehrlich und Uli Voigt. An dieser Stelle möchte ich gleich dazu aufrufen: Wenn es jemanden gibt, der was zusagen hat in dieser Runde, kann dies gern tun – bitte meldet Euch.

Vielleicht noch was zur Getränkeversorgung. Zu DDR-Zeiten war das schwierig. schon allein die Besorgung vom Rum für den Grog stellte ein Problem dar. Durch verschiedene Bergfreunde wurde dieser von privaten Urlaubsfahrten aus Böhmen mitgebracht. Plastebecher waren bilanziert, nur durch Beziehungen zu beschaffen. In Betriebsküchen wurden Themoskübel geborgt und Wasser wurde mit Barthelkochern erhitzt, um auf der Wildwiese warme Getränke anbieten zu können. Seit der Wende haben das die Bergfreunde des Postsportvereins übernommen, die hier ihre Hütten haben und die Versorgung mit viel Energie und Freude ausüben.

Es gab Feiern bei knackiger Kälte mit viel Schnee, aber auch bei Regen und Wärme. Trotzdem brannte das Feuer immer.

Diese Woche konnte man in der Sächs. Zeitung lesen, dass der Zusammenhalt unter den Menschen in Sachsen am geringsten ausgeprägt sei. Das konnte ich für den mir zugänglichen Teil der Gesellschaft erst mal so gar nicht nachvollziehen. Schließlich schafft man es kaum, an allen Weihnachts- und Faschingsfeiern dabei zu sein und übers Jahr verteilt gibt es zahlreiche Aktivitäten in unseren Sport- und Kulturvereinen, die Gemeinschaft fördern. Doch genau wie in der großen Politik geht es auch in den Vereinen hoch her, es geht um das richtige „Wie“. Unter Bergsteigern polarisierte in diesem Jahr wieder die Diskussion um Tradition und Moderne in Bewahrer und Entdecker. Beide haben ihre nachvollziehbaren Argumente. Beide Seiten wollen etwas Gutes erreichen. Beide Seiten sollten im Blick haben, dass es am Ende nicht nur Gewinner und Verlierer gibt. Derartige Beispiele gibt es hunderte in unserem Leben, im großen wie im Kleinen. Lasst uns diese Wintersonnenwende zu Anlass nehmen, etwas gelassener zurückzuschauen und auch voraus. Lasst uns gemeinsam und miteinander reden am Feuer. Lasst uns unseren Zusammenhalt, unsere Bergfreundschaft stärken und lasst uns daran freuen!

Mögen Danksagungen am Ende immer etwas ermüdend sein, so halte ich sie dennoch für unverzichtbar.

Ein herzlicher Dank gilt dem Staatsbetrieb Sachsenforst, hier besonders der Nationalparkverwaltung für die Genehmigung dieser Feier und für die Unterstützung bei der Brennholzsuche!

Vielen Dank an die Bergfreunde vom Postsportverein, die für das leibliche Wohl sorgen und an die Bergwacht für die Absicherung.

Ein ganz herzlicher Dank gilt allen Bergfreunden von z.B. den Schwefelbrüdern, der AKV, dem T.C. Bergkameraden 16, der Berglust 06, den Rohnspitzlern, den Bergfinken und nicht klubgebundenen, die beim Holzmachen mit von der Partie sind, und bei teilweise widrigsten Wetterumständen Holz aus dem Wald schleppen, dies verladen und den Feuerstoß bauen.

In diesem Jahr ist es uns gelungen einen zusätzlichen Bus zu organisieren, der 19:05 Uhr ab Wenzelweg nach Bad Schandau fährt. Vielen Dank dafür an den VVO und die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz.

Wir wünschen allen heute eine schöne Wintersonnwendfeier, ein frohes Weihnachtsfest und Alles Gute fürs neue Jahr 2018!

Flamme empor!





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