Aktuelles‎ > ‎

Sängerfahrt 2013

veröffentlicht um 15.11.2013, 03:23 von Jürgen Zill   [ aktualisiert: 15.11.2013, 03:25 ]

Nach der Sängerfahrt benötigten unsere Neuaufnahmen einen Zeitraum der physischen und psychischen Rehabilitation.
Dies aber ohne eine Krankenkasse in Anspruch nehmen zu müssen.
Nunmehr nach der Wiedererlangung der geistigen Frische hat sich Sebastian, stellvertretend für alle Neuaufnahmen, an die Tastatur begeben.
Er hat die Sängerfahrt aus der Sicht eines Aufnahmewilligen geschildert:

Sängerfahrt 2013

Synchronschwimmer haben kalte Ohren

 

Zunächst ein großes Dankeschön an alle Flüsterer und Whistle blower, die dieses Jahr zwar nicht aufgenommen werden wollten, aber uns trotzdem mit wertvollen Tipps die Sängerfahrt einfacher gemacht haben. Ein weiteres Dankeschön an unsere Betreuer, die stets fürsorglich und selbstlos an unserer Seite standen oder im Einzelfall ihrem Schützling zumindest das Gefühl vermitteln konnten, dass man(n) auf dieser Welt gebraucht wird. Und natürlich dem Sängerfahrtskomitee und seinen Helfern ein Riesendankeschön für die Organisation und Durchführung. Ganz großes Kino!

Doch nun mehr zur Fahrt: Am Freitagabend der erste Hilferuf von Matthias: „Brauche morgen früh Unterstützung beim Tragen, bitte 7:30 Uhr bei mir treffen.“ Aha, Requisitentransport also. Oder wie war das im alten Rom, wo die Delinquenten ihr Kreuz selbst zur Vollstreckung schleppen mussten…

Drei Requisiten, je größer desto leichter, harrten dort, liebevoll und ergonomisch vorbildlich mit Tragehilfen aus Rödeldraht versehen, ihrer Ortsveränderung. Erstes Triumphgefühl, wir hatten ja Arbeitshandschuhe dabei (Danke, ihr Flüsterer) womit zumindest die Tragehilfen „entschärft“ wären. Bis zum Bahnhof dagegen beschlichen uns erste Zweifel, ob ein Rollator mit Gepäcknetz nicht die bessere Empfehlung gewesen wäre.  „Unterm Strick“ angekommen, wurden wir Neuaufnahmen gegen einen kleinen Obolus mit unserem Neuaufnahme-Kit ausgerüstet und nationalpatriotisch kenntlich gemacht. Kurzes Schaudern, hoffentlich geht’s mit der Bemalung nicht ins Böhmische. Nach kurzer Begrüßung griff Stefan beherzt zur Stimmgabel, um mit uns glockenhell einen mächtigen Akkord erklingen zu lassen und so den Mitreisenden die frohe Botschaft vom Berglied zu überbringen. Oder mit anderen Worten gesprochen: Leute, versteckt Eure Tenöre! Die Bergfinken gehen um!

Dann endlich, die lang ersehnte Bekanntgabe der Fahrtrichtung: Altenberg. Für nicht wenige ein Art Premiere, das Osterzgebirge mal ohne Schnee zu besuchen. Um die Zeit nicht zu lang werden zu lassen, wurden die neuen Mitgliedsausweise verkauft. O-Ton Achim:“ Kostet 8 €, die meisten geben 10“. 

In Altenberg angekommen, wurde unter Ulis Leitung, die Schönheit der heimischen Bergwelt mit vielerlei Melodien bedacht, leider mit deutlich kleinerem Publikum als am Dresdener Hauptbahnhof, dafür aber ohne Lautsprecheransagen der nächsten Reiseverbindungen.  Die Idee, die Altenberger Pyramide in der Sommeredition „Bergfink-Neuaufnahme“ in Betrieb zu nehmen wurde schnell verworfen. Stattdessen wurden die Neuaufnahmen vorm Skifahrerdenkmal postiert und inklusive aller Requisiten fotografisch fürs Familienalbum festgehalten. Was für schöne Männer! Die inzwischen trockenen Kehlen konnten dank Bernhard anschließend wenn auch nicht geölt, so doch ausreichend gefettet werden. 

Nächstes Ziel, Raupennest, wo die Neuaufnahmen im brandneuen Horizontal-Klettergarten mal so richtig zeigen konnten, was sie auf der Pfanne haben und dass ein Chor kein Platz für Solisten ist. Ein bitterer Beigeschmack bleibt allerdings. Benommen von den feinen Aromen aus den Sachsengold-PET-Flakons, wurde ein vermeintlicher Verstoß gegen die sächsischen Kletterregeln begangen: Klettern auf nassem Untergrund! Ausgerechnet durch Angehörige DER Vorzeigegruppierung des SBB: Die Kommission Ethik und Regeln prüft den Vorfall.

Nächste Station, nächstes Essen, nächstes Getränk: Die Rodelbahn. Hier wurde den Bierfinken vorgestellt, dass die neuen Mitgliedsausweise mehr sein könnten als nur eine Rabattkarte für Dresdens größten Outdoorartikelhändler. Zielgruppenorientiert hatte sich das Sängerfahrtskomitee bei der Erweiterung des Nutzungsangebotes für einen Getränkeautomaten entschieden. Allerdings lediglich für ein Betatestmodell eines ostasiatischen Herstellers mit dezentraler Energieversorgung und Open Source Code für benutzerspezifische Anpassungen. Jürgen Kieser hätte in seinen Fix und Fax Geschichten dies wohl wie folgt umschrieben: „Die Neuaufnahmen sorgen für den Schwung, Matthias für die Steuerung“. Für die Neuaufnahmen also wieder „Mach’s mit, mach’s nach, mach’s besser.“ Nein, nicht mit Adi, sondern mit Achim. Für alle anderen ein Ausflug in die schier unendlichen Variationen der ostasiatischen Braukunst. Ich persönlich, als China-Kenner, bin immer noch nachhaltig beeindruckt mit wie viel Authentizität Matthias diese Vielfalt vermitteln konnte. Im Ergebnis: Der ein oder andere Softwarebug muss evtl. noch behoben werden aber im Großen und Ganzen eine tolle Sache, so ein Automat. Letztendlich kam es aber doch zu einem größeren Hardwareproblem, dass nur durch den Einsatz von ABC-Pulver behoben werden konnte. Die Ursache ist vermutlich im Seetransport irgendwo zwischen Tsingtao und dem Schüttguthafen Galgenteich zu suchen. Der Prototyp bzw. was davon noch übrig war, musste leider im unmittelbaren Hoheitsgebiet der kommunalen Entsorgungsbetriebe zurückgelassen werden. Der Kummer über den Verlust dieses Kleinodes konnte aber auf der Sommerrodelbahn praktisch im Vorbeifahren verarbeitet werden. Die Wettbewerbe der Stimmgruppen wurden mit Zeitunterschieden beendet, von denen ein Hackl-Schorsch sein Leben lang träumte und Achim allmählich eine schiefe Schulter bescherten.

Nachdem wir sowohl zum Raupennest als auch zur Rodelbahn, man stelle sich das vor, zu Fuß gehen mussten, wurde die nächste Etappe endlich wieder dem Veranstaltungsnamen „Sängerfahrt“ gerecht, denn ins Brauereimuseum Rechenberg hinauf rollte ein Sonderbus. Dort gab es wenig Museum dafür ein opulentes Abendmahl, gefolgt von Eugen-Roth-Rezitation bis hin zu Gesang- und Tanzdarbietungen, die die Neuaufnahmen erahnen ließen, wozu Bergfinken fähig sind, wenn kein Knie-Bunt getragen wird.

Im Torfhaus wurde der Abend bei Bier und Gesang fortgesetzt bis wir Neuaufnahmen gegen Mitternacht den Befehl zum Öffnen des Aufnahme-Kits bekamen. Alles Weitere unterliegt strengster Geheimhaltung! Nur soviel sei verraten, aufgrund des Ambientes und der Grenznähe hätte das Aufnahmeritual durchaus ein Ziel für Verfassungsschutz und Kirche werden können.

Bis zum nächsten Morgen wurde eine Frage allerdings immer brennender: Wofür brauchen wir die Badekappe. Im Ökobad Rechenberg-Bienenmühle wurden wir Neuaufnahmen erleuchtet: Der Chor singt für uns „Der Zauber der spanischen Nächte“ Klasse! Extra für uns! Dafür haben wir die 50m-Synchronschwimmkür doch gern auf uns genommen. Mit den Spuren des Vorabends in Gesicht und anderen Körperpartien, begaben wir uns ins erquickende Nass und trotzten dort wacker den Elementen - außer Feuer. Leider hatten wir zu sehr darauf vertraut, dass Uli uns unsere Einsätze schon vorgeben würde. Aber offenbar lag da ein Kommunikationsproblem vor („Hast Du eigentlich Uli die Choreographie gegeben?“ „Äh, ich? Ich dachte, der Dings macht das“ „Nee, das wollte doch der…“ usw.) So konnten wir lediglich ein taktbefreites Kastagnettenklappern mit den Zähnen improvisieren. Dem Chor sei an dieser Stelle für seine Toleranz gedankt. Schade, dass Moritz’ Solochoreographie so wenig Beachtung fand. Immerhin hatte er im Wettbewerb der Einzelstarter die Konkurrenz mit erheblichem Punktevorsprung hinter sich lassen können. Es lag wohl daran, dass viele für das anschließende Wunschkonzert versucht hatten, sich die besten Plätze zu sichern.

Dann endlich der lang ersehnte Augenblick: Wollt Ihr, Hannes, Reinhard, René und Sebastian Bergfinken werden […] in guten wie in schlechten Zeiten? So antwortet mit „Nu!“ So ähnlich jedenfalls, wird es wohl einst in der Chronik stehen. Achim hatte den Wortlaut wie folgt improvisiert: „Handtuch, Trinkgefäß und Mitgliedsausweis kosten zusammen eigentlich 25 € aber für Euch heute zum Sonderpreis von nur 20 €“.

„Nu, wir wolln!“

0:0:3:1 – Klarer Sieg für Schnober!

Auf der Heimfahrt im Schoße der „Strada Ferrata“ bescherten die Bergfinken den übrigen Reisenden unvergessliche Augenblicke, von denen sie noch ihren Enkeln erzählen werden und die ihnen sicherlich auch die Angst vor dem nächsten Dynamo-Auswärtsspiel nahm. Mit der Gruppe um die Requisitenträger genoss ich abschließend noch Dienstleistungen in einer gastronomischen Einrichtung, um dann selig lächelnd vor mich hin summend nach Hause zu schaukeln

 Sebastian Hillert,1. Bass



Comments