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Wintersonnenwende auf der Kleinen Liebe

veröffentlicht um 17.12.2016, 11:43 von Jürgen Zill

Kalt und dunkel steht er noch da, der große Stapel Holz aus unseren Heimatwäldern.

Nass und unfreundlich spielte uns das Wetter mit, als er vor 4 Wochen entstand.

Aber hier steht er in unserer Mitte, harrt seiner Zündung und begrüßt euch

alle, die ihr wieder den Weg gefunden habt, zur Wintersonnenwende des Sächsischen

Bergsteigerbundes 2016 an der Kleinen Liebe.

Zu den altbewährten Gesichtern der Bergfinken und mehrerer Kletterklubs gesellten

sich zum Holzmachen in diesem Jahr die Bergfreunde 1916, die sich mächtig ins Zeug

legten und auch hervorragend in unsere Holzsammelgemeinschaft eingefügt haben.

Der Abend ging dann mit Bergliedern, Feuerzangenbowle und Schüttelbeeren hoch her.

Wir Bergsteiger tragen doch eigentlich alle einen großen Fundus an Lebensfreude und Kulturgut in uns, aber was ist eigentlich Kultur?

Befragt man das gedruckte oder elektronische Lexikon, finden wir die Aussage,

dass Kultur die Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschlichen Gesellschaft

in Sprache, Kunst, Religion und Wissenschaft ist. Lasst uns gemeinsam die Bereiche

Sprache und Kunst beleuchten. Unsere Bergsteiger-Sprache ist eine herzliche und

zuweilen auch lustige oder kräftige. Sie kann aufbauend oder entspannend sein, da soll

man die A..backen zusammenkneifen oder die schwere Stelle auslassen und erst darüber

weiterklettern. Es sind sogar schon Kalt- oder Heißgetränke versprochen worden.

Auf alle Fälle bildet die Sprache eine Brücke von Mensch zu Mensch und solch eine Brücke

stellt auch die Kunst dar. So wird man vergeblich nach Kaninchenzüchter- oder auch

Schachspielerchören suchen, aber Bergsteigerchöre sind da und sind wie wir Finken auch das ganze Jahr über aktiv, ohne den Bergsport aus dem Blick zu verlieren. Deshalb ist auch die Zahl unserer Auftritte begrenzt, um gerade auch für junge Leute attraktiv zu sein.

Uns verbindet die Freude an den Bergen  und am Gesang, und du hast uns gerade noch gefehlt. Die Ausrede, daß man nicht singen könne, lassen wir nicht gelten und erwarten dich am Donnerstagabend um 6 im Vereinszentrum an der Freiberger Straße.

Im Jahre 2020 feiern wir unser 100-jähriges Chorjubiläum und haben das ehrgeizige Ziel,

zu den Festkonzerten 100 aktive Sänger auf die Bühne zu bringen. Wie die mathematisch

Begabten unter euch sicher feststellen, fehlen da noch 2,3 Leute, in echt noch ein Dutzend.

„100 zum Hundertsten“ soll unser Motto und ganz sicher hilft uns dabei auch unser

jugendlicher Neu-Chorleiter Max, der seit diesem Sommer versucht, uns noch mehr

über die Musik im Einzelnen wie auch im großen Ganzem beizubringen.

Er unterstützt dabei unseren heldentenörigen Schlögel-Uli in seinem Wirken und wir

Finken hoffen, dass uns diese wunderbare Kombination lange erhalten bleibt.

Oft kommt dann die Frage, was denn mit Frauen sei. Unsere Altvorderen haben 1920 im

Gründungsaufruf alle Bergsteiger angesprochen, aber leider kamen zu den ersten Proben

nur Männer und dabei ist es bis heute geblieben. Aber wie ihr richtig vermutet, kann ich

keine schöne Frau traurig sehen und möchte euch herrlichen Grazien die Mitwirkung

an unserem 100 Jahre Bergfinken-Buch anbieten. Schreibt eure Erlebnisse mit oder bei uns

Finken auf und lasst sie uns zukommen. Ein Dankeschön und eine kleine Überraschung

sei euch jetzt schon zugesagt. .Natürlich gilt das auch für die herrliche Hälfte unter euch.

Wie bei allen anderen Dingen im Leben ist es auch mit der Kultur so eine Sache, die nur

gut funktioniert, wenn man mit dem ganzen Herzen dabei ist, ob nun auf oder vor der

Bühne ist da gleichgültig. In den letzten 30 Jahren hat die wundervolle Bergmusikkapelle

„Schlappseil“ , bei welcher auch ich noch ab und an ein Mikro in die Hand nehme, einen Fasching für alle Bergverrückten veranstaltet.

Anfangs war das noch ein Fasching unter vielen, doch seit der Jahrtausendwende das letzte verbliebene Fossil. Nach der 30. Auflage im Februar diesen Jahres scheint auch das Geschichte zu sein. Wir als Band ziehen uns jedoch lediglich aus der Organisation zurück, doch leider haben sich bis zum heutigen Tage kein Nachfolger gefunden.

Durchforstet noch mal eure Reihen, unsere Unterstützung sei euch sicher!

Schlappseil gibt es aber auch in der Zukunft, so bei den Bergsichten oder dem Filmfest an der Buschmühle. Ein „Über allen Gipfeln ist Ruh“ wird es mit uns nicht geben!

Zur Kultur gehört auch die Vielfalt und mit Stolz können wir sächsischen Bergsteiger behaupten, 4 Bergsteigerchöre im Portfolio zu haben, wo es in vielen anderen

Gebirgen nicht einen einzigen Chor gibt. Im Rahmen des Festivals „Sandstein und Musik“

freuen wir Finken uns auf den nächsten August zum allerersten Auftritt des Chores in der

Felsenbühne zu Rathen und die anderen 3 Chöre sind dann auch mit von der Partie.

Gern strecken wir auch unsere Hand in Richtung des anderen Dresdener Bergsteigerchores

aus und hoffen auf eine weitere konstruktive Partnerschaft zum Wohle des Berggesangs.

Ganz in der Nähe der Felsenbühne haben wir in diesem Sommer mit einem Flashmob auf der Basteibrücke für mächtiges Aufsehen gesorgt. Ein Flash was? In Neudeutsch ist das ein scheinbar spontanes Treffen zu einer Aktion und dem unverzüglichen Zerstreuen danach.

Ausgehend von einer Idee unseres „Sandsteinbloggers“ Hartmut Landgraf besetzten

kleine Gruppen aus unserer Mitte die Kleine und Große Steinschleuder sowie den Jahrhundertturm und haben dann nacheinander je eine Strophe unseres Bergspruches

„Merkt auf“ gesungen. Die 4. Strophe kam von den restlichen Sängern auf der Brücke

und einen Bericht könnt ihr auf der Seite des Sandsteinbloggers nachlesen.

Jetzt aber soll euer Warten ein Ende finden, ehe ich mir den Zahn links unten noch locker quatsche, höre ich lieber auf und möchte euch nicht weiter quälen.

Schön, das ihr alle wieder da wart, nach dem Entzünden des Feuers und 1-2 Heißgetränken

wünsche ich euch einen entspannten Heimweg und ein frohes Fest!

Ein kräftiges Berg Heil sagt euch euer Gockel und nun: Flamme Empor!
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