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Ehrung für Kurt Kämpfe

Dein ist mein Herz, oh Berggesang, dir bleib’ ich treu mein Leben lang!

Arthur Henschel / Kurt Kämpfe

 

1887-1973

Chorleiter der SBB-Gesangsabteilung von 1927 bis 1945

und der Bergfinken von 1947 bis 1961

Der Mann ist es wert, dass man sich seiner erinnert.



Die singende Bergsteigerszene verdankt ihm ausdrucksstarke Lieder, die nach wie vor gern gesungen werden.

Kurt Kämpfe wurde am 13. Mai 1887 in Borna bei Leipzig geboren.

Er war Lehrer an der Blasewitzer Schule in Dresden und wohnte auf der Brucknerstr.

Zitat aus „Blasewitzer Schulgeschichte“: „Kurt Kämpfe kannte man in ganz Dresden und über die Stadt hinaus. Er war Leiter der jährlichen Musikfestwochen im Naturfreundehaus am Zirkelstein und in der Jugendherberge Aussig. Manchmal lud er obere Klassen ins Gewerbehaus ein und leitete das Dresdner Philharmonische Orchester. Bei einem Konzert im Sept. 1925 im Festsaal der Schule sang er mit sattelfestem Bass“(gekürzt).

Ab 1927 übernahm er die Gesangsabteilung des SBB.

Musikalisch war K.K. ein Genie. Im Jubiläumsbuch der Dresdner Philharmonie(1870-1970) wird er als einer derjenigen genannt, die sich um die musische Erziehung der Schuljugend bereits vor 1935 verdient gemacht hatten.

Zum 25jährigen Bestehen des SBB 1936 macht er sich in der Jubiläumsschrift „BERGSTEIGEN IN SACHSEN“ in einer längeren Abhandlung Gedanken zum Singen und Bergsteigen.

Über „Berglieder der Völker“ philosophiert er beeindruckend im „Jahrbuch für Touristik 1955/56“ der BSG Empor-Löbtau.

Unser Kurtl war aber auch eine zwiespältige Person.

Er war seit 1919 SPD - Mitglied und wechselte später zu NSDAP und auch SA.

Nach Information älterer Bergfreunde trat er bei einem Bergsteigerkonzert einmal in der sog. „Erdbeerschachtel“ - der Kopfbedeckung der vorgenannten Truppen - auf.

Dabei soll wohl auch rechts und links der Bühne die Hakenkreuzflagge entrollt wurden sein.

Kurz darauf wurde er auch wieder aus beiden unrühmlichen Organisationen ausgeschlossen.

Als sich die sog. Windbergsänger – der übrig gebliebene Rest der SBB-Gesangsabteilung – nach 1945 wieder zusammenfanden, und er als Chorleiter wieder gefragt war, hatte er zunächst Bedenken ob seiner Vergangenheit. Doch seine Sänger hatten ihm alles verziehen.

KK war für mich – der ich 17jährig bei den Bergfinken begann- eine Respektsperson.

Heute sagt der 16 jährige „Newcomer“ zum über fünfzig Jahre älteren Chorleiter ohne Hemmungen „DU“. 

Er saß immer mit dem Rücken zum Chor am Klavier.

Lassen wir ihn sprechen:

„Ihr musikalischen Rübenschweine; merkt das denn keiner, dass da einer falsch singt?“. Manchmal kam auch sein Schlüsselbund in die Sängerschar geflogen.

Sein ihm nachfolgender Chorleiter Wolfgang Wehmann zitierte:

„Na ja, es war auch ganz schön schwer für die alten Lehrer, sich aus der ROHRSTOCKZEIT umzugewöhnen.“ 

Als 1953 Edmund Hillary den größten Gipfelerfolg aller Zeiten hatte, dichtete er:

Der höchste Gipfel unsrer Erde,

der Mt. Ev’rest, er ist besiegt.

Lange wehrte er sich und trotzig so sehr,

zürnend wies er jeden zurück,

bis endlich doch brach an die Stunde

in der fiel sein Gipfel so stolz.

Zwei Männer stehen auf ihm kühn,

ihrem Munde entringt es sich jubelnd:

„Die Mühe, sie war schwer,

der Sieg, er ist so hehr!

O Haupt der Welt, ja Du bist mein,

für ewig sollst du’s sein!“ 

Als Melodie nahm er die Marseillaise.

Die Franzosen hatten an dem Gipfelsieg überhaupt keine Aktie.

Wie dem auch sei. KK hat mit seinen Kompositionen den eigentlichen Grundstock für das deutsche Berglied gelegt.

„Bergfinkenlied“, „Gipfelrast“, viele klingende Bergsprüche; meist nach Texten von Walter Fritsche, waren seine musikalischen Schöpfungen.

Anspruchsvolle Berglieder aus seiner Feder sind „Bergmorgen“, „Hoch und höher sollst du steigen“ und folgerichtig „Bezwungen der heiß umstrittene Grat“.

Die unter seiner Fuchtel das Singen der Berglieder gelernt Habenden werden ihn nie vergessen.

Er verstarb am 3. Juni 1973

Heinz Grabitzki

Dank gilt Achim Schindler, für freundliche Unterstützung

PS.: Ob er mit der Moderatorin R.F. ein Tächtelmächtel hatte; wollen wir nicht hinterfragen.


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